Sammeln in kleiner Stückzahl: Kleinserienhersteller wie Autopioneer fertigen von ihren Modellen nur wenige Exemplare. Dieser Mercedes 540 K aus Resine rollt im Maßstab 1:43 weltweit in nur 50 Einheiten vom Werktisch und kostet ca. 260 Euro. Sammeln in kleiner Stückzahl: Kleinserienhersteller wie Autopioneer fertigen von ihren Modellen nur wenige Exemplare. Dieser Mercedes 540 K aus Resine rollt im Maßstab 1:43 weltweit in nur 50 Einheiten vom Werktisch und kostet ca. 260 Euro. - © Foto: picture alliance/dpa/Modell Fahrzeug | Modell Fahrzeug -
DAUN, 09.04.2021 - 09:22 Uhr
Auto & Technik

Klein, aber oho: Was Sie über Modellautos wissen sollten

(dpa/tmn) - Lust auf Musik? Einfach die Antenne fürs Radio herausziehen. Fürs bequemes Sitzen im Fond die Mittelarmlehne ausklappen und rasch auch noch das Verdeck schließen - der Lederausstattung zuliebe, weil es nach Regen aussieht. Im Mercedes 600 Landaulet geht das alles - und zwar auch in einer 18-fach verkleinerten Version. Die Neuheit aus der Modellautomanufaktur CMC, die man vor sich über den Tisch rollen lassen kann, hat ihren Preis:

rund 900 Euro.

Dabei muss die Begeisterung für kleine Autos nicht arm machen. Andreas A. Berse, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Modell Fahrzeug“, hat in der Corona-Pandemie einen kleinen Konjunkturaufschwung in der Szene registriert. Viele sind zwangsweise lange zu Hause. „Man merkt dann wieder, wie schön es ist, ein Hobby zu haben“, sagt Berse. „So wurden auch Schläfer geweckt“, sagt er über alle, die ihre alte Leidenschaft nun wiederentdeckt haben.

Es war einmal im Kinderzimmer

Die namhaften Hersteller hätten mittlerweile verstanden, dass sie auch Preislagen fürs Taschengeld brauchen. „Wenn das Modellauto nicht im Kinderzimmer ankommt als tolles Ding, mit dem man spielt, dann haben wir in zehn, fünfzehn Jahren keine Sammler mehr“, sagt Berse. Denn meist startet die Begeisterung genau dort.

Das war auch bei Berse so, der wie so viele mit Autos von Corgi, Dinky, Matchbox und Wiking spielte. „Irgendwann ist diese kindliche Phase dann vorbei und später kommen vielleicht auch Familie und andere Dinge“, sagt er. Aber irgendwann entsinnen sich manche und kaufen sich als Erinnerung ihre ersten richtigen Autos als Modell nach und stellen sie sich in die Vitrine.

Wer dann Blut geleckt hat, sucht sich am besten ein Sammel-Thema. Denn das Angebot ist schlicht gigantisch. „Sie können ja gar nicht alles sammeln, das dürfte jedes Budget sprengen“, meint Berse. Gut, wenn man eine Affinität hat. „Vielleicht ist man mal bei der Freiwilligen Feuerwehr gewesen oder will Blaulicht-Fahrzeuge sammeln, weil man die einfach cool findet.“ Oder man mag Rennsport, eine bestimmte Marke oder sucht sich zum Start einen Maßstab heraus.

Struktur oder Anarchie

„So eine Kollektion ist letztlich ein Fingerabdruck einer Persönlichkeit“, sagt Berse. „Ich kann natürlich auch reiner Ästhet sein und einfach sammeln, was mir gefällt. Das hat ja auch so eine anarchistische Komponente.“ Aber es gebe die eine schöne Regel: Eine Struktur in der Sammlung mache langfristig glücklicher. Sonst können Budget- und Platzgrenzen zum Problem werden.

Fein, Struktur also. Thema? Haben wir, was fehlt? Der Maßstab! Der sorgt für Vergleichbarkeit. „Ich kann sehen, wie groß die S-Klasse im Vergleich zu einem Golf oder Käfer ist“, sagt Berse. In Deutschland sind vor allem die Maßstäbe 1:87, 1:43 und 1:18 beliebt, aber es gibt durchaus auch begehrte „Zwischengrößen“.

Größtenteils bestehen die Karosserien aus einer Zinklegierung und werden im Druckgussverfahren (Die-Cast) gefertigt. Immer häufiger nutzen die Hersteller auch Kunstharz, auf Englisch Resin genannt. Das macht den Formenbau einfacher und günstiger. So rechnen sich schon geringere Stückzahlen, was auch die Vielfalt am Markt erhöht.

Relativ klein ist der Maßstab 1:87. „Der passt zur klassischen HO-Märklin-Eisenbahn“, sagt Berse über die etwa vier bis fünf Zentimeter langen Autos. Die meisten Anbieter wie Wiking fertigen sie aus Kunststoff. Schuco hat eine Metallserie aus Zinkdruckguss. Preislich starten viele schon bei unter 10 Euro. Spark dagegen nutzt Resin und verkauft fein dekorierte Rennsport-Modelle um die 30 Euro. Auch die detaillierten Modelle von Herpa in einer speziellen Box kosten schon mal 25 bis 30 Euro.

Modelle und Spielzeuge

Typische Spielzeugautos von Hot Wheels, Siku oder Matchbox sind Verkleinerungen im Maßstab 1:64, der auch in den USA sehr beliebt ist. Bei den Basismodellen stimmt der Maßstab aber nicht immer exakt - die Müllabfuhr muss ja schließlich in der gleichen Box einparken wie der VW Käfer. Die etwa acht Zentimeter langen Autos rollen ab etwa 1 bis 2 Euro ins Kinderzimmer oder aufs Regal.

Detaillierter und zum Teil mit Gummireifen und beweglichen Teilen kommen einige Autos von Schuco-Tochter Majorette für etwa 5 Euro daher. Noch präziser bilden Firmen wie etwa Greenlight auch Vorbilder aus bekannten Filmen für um die 10 Euro nach. Doppelt so groß wie HO (1:87) fahren Autos im Maßstab 1:43 vor. „Da ist ein Golf so rund zehn Zentimeter lang“, sagt Berse. Autos von IXO oder CMR fangen bei rund 20 Euro und sind meist aus Zinkdruckguss gefertigt. Handarbeitsmodelle können aber auch bis zu 400 Euro kosten.

Hier und da lassen sich auch Türen oder Hauben öffnen, das ist aber die Ausnahme. Die Firma Minichamps ist hier besonders für seine verkleinerten Rennsportikonen bekannt. Hersteller Spark fertigt daneben auch Nischenmodelle, etwa von unbekannteren Startern aus den Formel-1-Feldern der 1970er Jahre.

1:24 ist wieder im Kommen

Etwa 20 Zentimeter lang sind Miniaturen, wenn sie in 1:24 vorrollen. „Der Maßstab ist bei uns wieder im Kommen und stammt eigentlich aus dem Plastikmodellbau, ist aber auch sehr groß in Amerika“, sagt Modellfahrzeug-Experte Berse. Hier gibt es schöne Exemplare schon für 15 bis 20 Euro. „Das sind auch mal Modellautos, die die Oma ihrem Enkel mitbringt“, sagt er über Modelle, die oft auch die Brücke zwischen Spielzeug und Sammlermodell schlagen. Typische Anbieter sind zum Beispiel Burago, Jada, Maisto oder Welly.

Wer es größer mag, greift zum Maßstab 1:18. Die italienische Firma Burago hat den Maßstab in den 1970er Jahren entwickelt und ist damit noch heute sehr aktiv. Je nach Vorbild sind die Autos um die 25 Zentimeter lang und passen in einen Schuhkarton. „Wer sich für Technik interessiert, kann hier oft einen Motor angucken, kann Türen und Hauben aufmachen und sich das Fahrwerk ansehen - man entdeckt einfach relativ viele Features“, erklärt Berse.

Sehr detaillierte Modelle finden sich schon zu günstigen Preisen ab rund 45 Euro, etwa von Solido, wo oft auch Türen oder Hauben beweglich und die Modelle gut lackiert sind. Aber auch Hersteller wie Autoart, Maisto, Minichamps und Norev tummeln sich hier.

Filigranes für fast 1000 Euro

Zu den teuersten Modellen auf dem deutschen Markt gehören die von CMC mit oft über 1000 Teilen. Sie zeigen filigranste Details auf Uhrmacherniveau, haben handpolierte Lacke, Sitze aus Leder, realistische Verkabelung und dünne Drahtspeichenräder. Die kleinen Kunstwerke kosten dafür aber nicht selten um die 900 Euro. „Autos in Chronographen-Qualität“, wie sie Berse nennt.

Einzelne Anbieter drehen aber gern auch an noch größeren Rädern und bieten Verkleinerungen oft etwa in 1:8 oder 1:12 an. Da sind die Autos zwischen etwa 40 und 60 Zentimeter groß. Auch dabei reicht die Spanne von relativ günstigen Typen im dreistelligen Bereich wie etwa von CMR, Spark und Norev in 1:12 bis zu vierstelligen Beträgen für Modelle in 1:8 von CMC, Minichamps oder Spark.

Je feiner ihre Details gearbeitet sind, desto empfindlicher sind die Autos - die dann unter Umständen nicht mehr für Kinder geeignet sind. Sammlermodell ab 14 oder ab 18 Jahren schreiben die Hersteller dann auf die Box. Und manche legen sogar extra Werkzeug wie etwa kleine Saugnapf-Greifer bei, damit der Sammler die Türen oder die Haube seines Modells sicher und unbeschadet öffnen kann.

Großer Spaß, kleine Rendite

Sind Modellautos auch eine Wertanlage? Da ist Berse eher skeptisch: „Es sollte ein tolles Hobby sein, bei dem man Spaß hat und sich auch mit anderen austauscht - eine etwaige Wertsteigerung sollte nebensächlich sein.“ Das Problem: Unter 150 Autos verstecken sich oft nur zehn seltene Stücke, die rar und gesucht sind. Der Gewinn dürfte unter dem Strich dann sehr überschaubar ausfallen.

Bei aktuellen Modellen dürften hohe Wertsteigerungen nicht die Regel sein. „Daher kann ich nur davor warnen, jetzt mit Neuware das Hobby Modellautos zu starten, um damit eine Geldanlage erzielen zu wollen“, sagt Berse. Allerdings können Aspekte wie eine Limitierung den Wert tatsächlich steigern. Wichtig dabei: Eine nicht zu hohe Limitierung, die Verpackung oder Modell ausweisen sollten. So etwas bieten oft Kleinserienhersteller, die ihren Fuhrpark in 1:43 verkleinern.

Kategorie altes Spielzeug

Wer auf eine Geldanlage schielt, könnte den Blick auf sogenannte Vintage-Stücke werfen, etwa auf alte Blechautos. „Da sind Preissteigerungen noch drin, weil diese Sachen in ganz kleinen Stückzahlen gebaut worden sind“, sagt Berse. Im Grunde gilt das für alles, was bis zu einer gewissen Zeit als Kinderspielzeug verkauft wurde, aber seinerzeit noch nicht gesammelt wurde.

Davon haben trotz hoher Stückzahlen recht wenig „mint and boxed“ überlebt - so nennen Sammler den nahezu perfekten Zustand in Originalschachtel. „Damit wurde eben gespielt“, sagt Berse. Die Box kann in einem sehr guten Zustand genau so viel wert sein wie das Modell selbst, denn früher wurde sie oft einfach irgendwann weggeschmissen. Ein Fehler, den Sammler heute nicht mehr machen sollten.

Auch Sonderauflagen, etwa von Rennsport-Sponsoren, die nicht in den freien Handel kommen, können im Wert steigen. „So was kann dann wie eine Blaue Mauritius sein“, sagt Berse. Um sich entsprechende Fachkenntnisse anzueignen, rät der Experte und Sammler zur Recherche in Internetforen oder nach Möglichkeit zum Besuch von Fachbörsen und speziellen Auktionen - dann kommt neben der Begeisterung auch die gesellige Seite des Hobbys nicht zu kurz.

Von Peter Löschinger, dpa


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Mai 2021 / No 84

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