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DAUN, 20.02.2020 - 08:39 Uhr
Auto & Technik

Umweltbewusstes Netz: Apps für einen nachhaltigen Lebensstil

(dpa/tmn) - Sie haben zum Teil Downloadzahlen von über einer Million: Apps und Webseiten mit Tipps und Informationen für einen nachhaltigen Lebensstil. Eine umfangreiche Übersicht findet sich etwa auf der Plattform Utopia.

Einige, etwa der ökologische Fußabdruck der Hilfsorganisation Brot für die Welt oder der CO2-Rechner, betrachten unser gesamtes Verhalten. Bei anderen, wie der Regio-App oder dem nachhaltigen Warenkorb, geht es allgemein ums Einkaufen. Eine dritte Gruppe spezialisiert sich auf einzelne Produktgruppen, so der WWF-Fischratgeber.

Oft gibt es zur Webseite gleich die App, doch nicht immer lohnt sich der Download. Michael Bilharz, der beim Umweltbundesamt den CO2-Rechner und das UBA-Verbraucherportal betreut, ist skeptisch bei Apps, die nicht vom Nutzer her gedacht sind. Man nutze eine App, um zu wissen, wie man von A nach B komme, meint Bilharz, aber: „Ihre CO2-Bilanz rechnen Sie höchstens einmal im halben Jahr aus, da haben sie die App schon vergessen und suchen wieder bei Google.“

Ein gelungenes Beispiel für eine vom Nutzer her gedachte Website ist für Bilharz die Naturtrip-Seite. Wer spontan einen Ausflug plant, gibt hier seinen Standort an, kann dann in Kategorien suchen und bekommt auf Wunsch sofort die beste Nahverkehrsverbindung angezeigt - derzeit allerdings erst einmal nur für Berlin und Brandenburg.

Regelmäßiges Aktualisieren fehlt bei vielen Apps

Häufig nachgefragt werden laut Bilharz Angebote, die sich ums Essen drehen: Bei den Klimatariern schiebt man sich zum Beispiel virtuelle Zutaten auf den Teller und bekommt dazu die CO2-Emissionen angezeigt, sowohl in Kilogramm als auch umgerechnet in Autokilometer oder gefällte Bäume. Der Klimateller rechnet die Emissionen verschiedener Gerichte aus und hält Tipps und klimafreundliche Rezepte bereit. Bei Too Good To Go gibt es günstiges Essen aus Überschüssen.

Allerdings würden viele Apps oder Webseiten, etwa die Klimatarier, nicht mehr aktualisiert, so Bilharz. Doch während sich bei Saisongemüse wenig ändert, sollten Apps, die etwa auf Zusatzstoffe im Essen oder in Kosmetika hinweisen, Produktänderungen der Hersteller schnell berücksichtigen.

So greife die populäre App Codecheck auf eine Datenbank zurück, die teilweise veraltete Rezepturen nutze und wo bei einigen kritischen Inhaltsstoffen eine Bewertung fehle, weiß Kerstin Etzenbach-Effers von der NRW-Verbraucherzentrale. Nicht unproblematisch sei zudem, dass Codecheck bei der Suche nach Alternativen direkt auf bestimmte Webshops verlinke.

Ob regelmäßig aktualisiert werde, hänge nicht zuletzt von den jeweiligen Erlösmodellen ab, sagt Utopia-Chefredakteur Andreas Winterer. „Es gibt etliche mit viel Enthusiasmus gestartete Apps, wo dann leider nicht viel mehr passiert, sobald der Enthusiasmus der Startphase einmal weg ist.“ Aufschluss geben können die Angaben zu den Apps aus den jeweiligen App-Stores, also wie oft und wann zuletzt eine Aktualisierung erfolgt ist, oder die Zahl der Downloads und die Nutzerkritiken.

Aufgepasst bei zu viel abgefragten Daten

Wollen Betreiber vor allem Geld verdienen, werden oft viele Nutzer-Informationen verlangt. „Wenn eine App Zugriff auf Ihre auf dem Smartphone gespeicherten Medien oder gar Ihr Telefonbuch möchte, sollten Sie überlegen, ob sich die Informationen bzw. Funktionen nicht auch auf einer Webseite finden lassen“, rät Christine Steffen, bei der Verbraucherzentrale NRW zuständig für digitalen Datenschutz.

Gerade bei Apps können viele persönliche Daten anfallen, die nicht immer für das Funktionieren erforderlich sind. Apps, die Barcodes oder Siegel scannen und entschlüsseln bzw. erklären, benötigen Zugriff auf die Kamera. Bei Aktivitäten oder Einkaufsmöglichkeiten ist der Standort wichtig. Es können aber auch Daten im Hintergrund gesammelt werden, ohne dass die App in Gebrauch ist.

Um dies zu verhindern, sollte man regelmäßig in den Einstellungen festlegen, auf welche Daten die App zugreifen darf. Generell lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung. Werden zum Beispiel über Gebühr Daten gesammelt und etwa zu Werbezwecken an Dritte weitergegeben? Eine Anmeldung etwa per Facebook-Login führt außerdem dazu, dass Daten ausgetauscht werden können.

Besser wichtigste Siegel im Kopf haben

Was fehlt, ist laut Etzenbach-Effers eine App, die Produktgruppen-übergreifend bewertet und möglichst von einer unabhängigen Organisation wie Stiftung Warentest betrieben wird. „Genauso fehlt eine App, die nicht nur die Schadstoffe im Endprodukt beurteilt, sondern auch die Umwelt- und Sozialstandards bei der Produktion oder die technische Sicherheit der Produkte.“

Insgesamt rät die Expertin, sich von jeder Produktgruppe die zwei wichtigsten, anspruchsvollsten Siegel zu merken. „Das ist sinnvoller, als mit 50 Apps durch die Gegend zu laufen.“ Neben dem Blauen Engel, der für viele Produktgruppen gelte, sei das im Bereich Kleidung/Textilien das Label GOTS (Global Organic Textile Standard).

Bei Naturkosmetik lohnt es sich, auf eine Zertifizierung nach BDIH-Standard oder das Natrue-Siegel zu achten. Bei Bauprodukten und Farben helfen das Natureplus-Siegel, das Eco-Institut-Label und der Blaue Engel, schadstoffarme und nachhaltigere Produkte zu erkennen. Bei Spielzeug und Elektroartikeln garantiert das GS-Zeichen (geprüfte Sicherheit) zumindest eine Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen.

Auf dem UBA-Verbraucherportal finden sich eine Übersicht der Top-Siegel und weitere Empfehlungen. Wer direkt vor dem Warenregal vergleichen oder scannen will, kann dies mit Seiten bzw. Apps von Siegelklarheit oder Label-Online tun. Allerdings gibt es bei beiden Anbietern Lücken beim Textilsiegel „Grüner Knopf“. Und wer nach Ökostrom-Labels sucht, bekommt bei beiden unzureichende oder gar keine Infos.

Von Clemens Schöll, dpa


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