Nemea liegt zwei Stunden westlich von Athen - dort gibt es viele Weinberge und Winzer. Nemea liegt zwei Stunden westlich von Athen - dort gibt es viele Weinberge und Winzer. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Verena Wolff -
DAUN, 06.08.2020 - 11:13 Uhr
Essen & Trinken

Trauben und Spiele: Nemea belebt griechische Weintradition

(dpa/tmn) - Wein aus Frankreich, Italien, Australien und Chile finden Käufer recht einfach in deutschen Supermarktregalen. Wein aus Griechenland? Das ist schon schwieriger. Doch es gibt ihn.

Mehr als 1000 Weingüter produzieren Wein - von der mazedonischen Grenze im Norden bis zur Insel Kreta im Süden. Oft und gerne verwenden sie in Griechenland heimische Trauben.

Zu den roten Trauben gehören Agiorgitiko und Xinomavro, zu den Weißweinsorten etwa Assyrtiko, Moschofilero oder Savatiano. „Etwa 300 verschiedene Rebsorten gibt es in Griechenland“, sagt Panos Kiriazis. Er betreibt im Athener In-Viertel Plaka die Weinbar Vintage.

Dort serviert er hunderte Flaschen hellenischer Weine glasweise - und jede Menge Wissen dazu. So erfahren die Gäste etwa, dass der griechische Wein viele Jahr lang aus der Mode gekommen war - obwohl dort Wein schon seit mindestens 3000 Jahren gekeltert wird.

„In den 1970-er Jahren gab es einige gute Kellereien“, sagt Panos. Doch viele Winzer bauten in den Folgejahren international bekannte Sorten an. Bestenfalls mischten sie griechische Trauben dazu.

Die Tradition und alte Sorten werden wiederbelebt

Nach der Finanzkrise 2008 haben sich viele Junge einen Namen gemacht - nicht immer wild, aber mit guten Ideen und guter Ausbildung. Manche waren an bekannten Hochschulen in Frankreich oder Deutschland. „Und sie wissen, wie man den Besuch auf dem Weingut mit einem Erlebnis verbinden kann, das ist heutzutage wichtig“, sagt der Barbesitzer.

Sie beleben die alten Sorten wieder, erzählt Eleni Kefalopoulou. Die Önologin hat die Vereinigung Wines of Athens ins Leben gerufen, die Weine und Winzer aus der Hauptstadtregion bekannter machen will.

Seit Jahrtausenden wird rund um Nemea Wein gekeltert - rund zwei Stunden westlich von Athen. „Man hat nachgewiesen, dass die DNA alter Trauben mit der in den modernen Rebstöcken übereinstimmt“, sagt Stephen Miller. Der amerikanische Archäologe lebt seit knapp 50 Jahren in dem kleinen Ort am Peloponnes.

Wein und Wettkämpfe aus Nemea

Miller kam mit einem Lehrauftrag der University of California in Berkeley, um die Ruinen der alten Stadt zu finden und auszugraben. Und er blieb. Unter anderem weil er im Ort auf offene Ohren mit seinem Vorhaben stieß, die alten Spiele von Nemea aufleben zu lassen.

Wie in Delphi, Istmia und Olympia zelebrierten die alten Griechen dort nämlich Wettkämpfe. „An diesen Orten ruhten Kriege und Feindschaften für ein paar Tage im Jahr“, erzählt Miller.

Weil an den Olympischen Spiele heute nur noch für Ausnahmeathleten teilnehmen, erleben die Spiele von Nemea ein Revival. Für die, denen der Gedanke der Völkerverständigung wichtiger ist als ihre Laufzeit.

Bio-Weine und heimische Sorten

Ein paar Häuser weiter erforscht Thanassis Papaioannou keine alten Gemäuer, sondern Wein. Seine wichtigsten Erkenntnisse gibt er an seinen Sohn George weiter: Die Weine müssen da wachsen, wo sie ins Ökosystem passen.

Andere Winzer pflanzten Chardonnay und andere Mode-Trauben - doch auch wenn es viele Jahre wenig populär war, hielten sich die Papaioannou an die heimischen Sorten. Bis heute.

George, Chemiker und Önologe, bewirtschaftet 57 Hektar. Chemie kommt ihm nicht auf die Trauben. Der praktische Nebeneffekt: Er kann alle seine Erzeugnisse als Bio-Weine ausweisen.

Nur ein paar hundert Meter weiter gibt es eine weitere Öko-Winzerei. Die junge Winzerin Evangelia Palivou führt hier zusammen mit ihrem Vater die Geschicke. Sie schwärmt von der Lage der Weinstöcke auf rund 420 Metern Seehöhe.

Im Sommer profitieren sie von Winden aus Norden. „Das hilft nicht nur beim Reifeprozess, sondern ist auch gut für die Rebstöcke.“ Jeder Weinberg habe sein eigenes Mikroklima und einen unterschiedlichen Boden - von Lehm bis steinig ist alles dabei.

Kleine, aber feine Ernte

Nicht weit von Nemea - immer bergauf, durch urige Dörfer - liegt auf 660 Metern Seehöhe in der Region Koutsi Seméli Estate. Seit vielen Jahren schon werden hier eigene Trauben gekeltert, und die der umliegenden kleineren Weinberge. „So können wir die gleichbleibende Qualität sicherstellen“, erklärt Leonidas Nasiakos.

Der Boden und das Klima bringen zwar keine riesigen Mengen an Trauben hervor. „Aber die Säure stimmt und die Weine können gut gelagert werden.“ So räumen Semeli-Weine bei internationalen Wettbewerben reihenweise Preise ab - inzwischen sind sie in vielen Ländern zu finden: „Wir verkaufen bis nach Australien, Korea und Kanada.“

Semeli war die erste Station von Anne Kokotou und ihrem Mann George, als sie vor Jahrzehnten dem Stadtleben den Rücken kehrten. Dann kauften sie Land in Stamata. Dort etablierten sie in den Bergen nördlich von Athen das Anwesen Ktima G. Kokotou, pflanzten Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay. Inzwischen kultivieren sie auch griechische Sorten - rund 50 000 Flaschen im Jahr.

Ein leichter, frischer Weißwein und der Retsina

Bei Kokotous wächst auch die Savatiano-Traube. „Ein hervorragender leichter Weißwein, der frisch besonders gut schmeckt“, sagt Anne. Er habe aber eine zweifelhafte Vergangenheit. Denn einer der Gründe, weswegen griechischer Wein hierzulande zum Teil unbekannt oder sogar einen schlechten Ruf hat, ist der Retsina - ein Relikt.

Früher wurde der Wein in Amphoren transportiert und gelagert, erzählt Eleni Kefalopoulou. Bekamen sie einen Sprung, flickte man diesen mit dem Harz der Pinienbäume. Damit er dicht hält von innen und außen.

Doch der Kleber in dem Amphoren verband sich langsam mit dem Wein. Dieser sehr spezielle Geschmack wurde später wiederbelebt, indem man dem Savatiano - oder Resten anderer Weißweine - das Harz hinzugab. „Das war nie guter Wein“, sagt Panos Kiriazis. Aber er war günstig.

Einige Winzer versuchen zwar inzwischen wieder Retsina zu produzieren - mit leichter Pinienharz-Note. Die Kokotous werden nicht dazu gehören. „Uns schmeckt der Savatiano pur besser.“

Informationen: Zu den größten und bekanntesten Anbaugebieten für Wein gehören die Region um die Hauptstadt Athen herum, der Peloponnes, Nordgriechenland sowie die Inseln Santorin und Kreta.

Anreise: Lufthansa und Aegean Airlines fliegen Athen mehrmals am Tag von verschiedenen deutschen Flughäfen aus an.

Reisen vor Ort: Es empfiehlt sich, die Weinregionen mit einem Mietauto zu erkunden. Es gibt eine Weinroute, die unter anderem durch Nemea führt. Viele Winzereien haben kleine Shops, in denen Besucher Wein probieren können. Oft gibt es geführte Touren über das Weingut.

Unterkunft: Manches Weingut bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten an. Wer die Tour mit einem Besuch am Meer kombinieren möchte, kann sich etwa in Nafplio in einem Hotel einmieten.

Informationen: Marketing Greece, Voukourestioustraße 20, 10671 Athen, Griechenland, +30 210 364 90 84, contact@discovergreece.com

Von Verena Wolff, dpa


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