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DAUN, 21.02.2020 - 08:23 Uhr
Kultur

Buchvorstellung „Die Netflix-Revolution“

Von Max Philipp Kegler

Die technischen Möglichkeiten des Internets haben es möglich gemacht: wir befinden uns im Streamingzeitalter. An Netflix, Amazon, Binge-Watching und Co. führt kein Weg dran vorbei. Doch wie ist es so weit gekommen? Antworten auf diese Fragen liefert das Buch „Die Netflix Revolution: Wie Streaming unser Leben verändert“ von Oliver Schütte.

Vor zehn Jahren noch undenkbar, heute längst Alltag: Das Streamen von Filmen und Serien über das Internet ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Viele kleine und große Anbieter buhlen um die Gunst der Zuschauerinnen und Zuschauer – und etliche Unternehmen bringen sich bereits in Stellung, um ebenfalls ein Stück vom Kuchen zu ergattern. Doch, was macht das Streaming eigentlich mit uns? Wie verändert es unsere Sehgewohnheiten? Welche Gefahren gibt es? Und überhaupt: Wie hat sich der Konsum von Medieninhalten seit den ersten Filmvorführungen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt? All diese Fragen beantwortet Oliver Schütte, studierter Film- und Theaterwissenschaftler und Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie, auf 224 Seiten in seinem Buch „Die Netflix Revolution: Wie Streaming unser Leben verändert“, das Ende September im Midas Verlag erschienen ist.

Die Bilder bewegen sich

© Midas VerlagSchütte geht in seinem Buch erst einmal chronologisch vor und führt seine Leserinnen und Leser von den Anfängen des Kinos bis zur Gegenwart des Streamingzeitalters. Von den ersten Filmvorführungen, bis zur Etablierung des Kinos, der Einführung des Fernsehers und dem Auftauchen der ersten Streaminganbieter rollt der Autor die gesamte Geschichte des Bewegtbildes vor den Augen der Leserinnen und Leser aus. Beim Aufschlagen des Buches springt einem zuerst ein Zitat von Reed Hastings entgegen, seines Zeichens Gründer und Chef von Netflix: „In einigen Jahren werden wir auf das Fernsehen zurückblicken wie heute auf das Faxgerät.“ Ob dieser Fall nun genau so eintreten wird oder nicht, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, doch gibt das Zitat doch den Grundtenor des Buches gut wieder. So zieht sich ein roter Faden durch die von Schütte dargestellte Entwicklung des Bewegtbildzeitalters: der ständige Wandel. Denn nicht nur die technischen Möglichkeiten haben sich seit den Anfängen des Films verändert. Sondern auch wir, die Zuschauerinnen und Zuschauer – beziehungsweise unser Sehverhalten, wie Schütte es in seinem Buch erklärt. Ein besonderer Clou des Buches ist in diesem Zusammenhang, dass Schütte am Anfang eines jeden Kapitels in einer fiktiven Szenerie erzählt, wie der Medienalltag verschiedener Zeitzeugen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aussieht, bzw. ausgesehen hat. Ein nettes erzählerisches Beiwerk, das die Unterschiede zwischen den verschiedenen Medienrealitäten noch einmal verdeutlicht. Hier merkt man dem Autor zudem auch seine Autorentätigkeit für Film und Fernsehen an.

Was ist Streaming überhaupt?

Einen Großteil des Buches nimmt natürlich – der Titel verspricht es bereits – die Welt des Streamings ein. Ab dem vierten Kapitel „Die Streamingrevolution“ definiert der Autor grundlegende Dinge und stellt beispielsweise erst einmal klar, was Streaming überhaupt ist, bevor die Geschichte und der Werdegang wichtiger Akteure der Szene, wie YouTube, aber auch Netflix und Amazon Prime, näher vorgestellt wird. Im fünften Kapitel „Der Kampf der Streamingplattformen“ wird dann näher auf die unmittelbare Gegenwart und baldige Zukunft im Streamingmarkt eingegangen. Leserinnen und Leser kriegen hier einen Überblick zu weiteren Diensten, wie beispielsweis „Apple TV+“, „Hulu“, „Disney+“, „HBO Max“ oder „Quibi“. Jedoch arbeitet Schütte nicht nur stumpf Geschichte und Anbieter ab, sondern klärt über eine Vielzahl wichtiger Begriffe und Themen auf. Beispielsweise die Bedeutung und den Wandel von Sportübertragungen, Binge-Watching, die Rolle der Quote, die Arbeit von Showrunnern im Serienbetrieb und vieles mehr. Doch die schöne neue Welt der Streamingdienste, in der man jederzeit das gucken kann, was man möchte – und das in der Regel sogar ohne Werbung –, hat auch ihre Schattenseiten. Diese werden eindringlich in Kapitel acht „Schöne neue Welt“ näher beleuchtet. Hier geht es etwa um die Frage, inwiefern man einen Film oder eine Serie im digitalen Zeitalter noch besitzt, den man sich auf einer Plattform gekauft hat, beziehungsweise um das Abhängigkeitsverhältnis zum jeweiligen Dienst, in dem man sich dann befindet. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen im Streamingbereich wird von Schütte behandelt – inklusiver Überlegungen zu möglichen Zukunftsszenarien, die sich damit auseinandersetzen, wie unser Medienkonsum von Morgen wohl aussehen könnte. In diesem Bereich spart Schütte auch nicht mit Kritik und rät unter anderem zu Achtsamkeit, da Streamingdienste beispielsweise aufgrund der gesammelten Daten zu den Sehgewohnheiten viele Rückschlüsse auf den Zuschauer vor dem Bildschirm ziehen können.

Fazit

Wer die gegenwärtige Streaminglandschaft verstehen will, muss die ganze Geschichte kennen. Oliver Schütte beschreibt in seinem Buch die Fakten, erklärt programmliche und technische Aspekte des gesamten Bewegtbildzeitalters – stets mit besonderem Fokus auf das Streaming. Gleichzeitig blickt er über den Tellerrand und macht sich Gedanken zu zukünftigen Entwicklungen, die sich teilweise jetzt schon andeuten, und mahnt zur Vorsicht. „Die Netflix Revolution – Wie Streaming unser Leben verändert“ ist spannend geschrieben und liefert auf knapp über 200 Seiten einen großen Überblick zu über einem Jahrhundert bewegter Bilder. Ein interessantes Buch, das Medieninteressierte bestimmt gerne unter dem Weihnachtsbaum finden werden.

Oliver Schütte: Die Netflix Revolution: Wie Streaming unser Leben verändert

Midas Verlag, Zürich 2019

224 Seiten, 24,90 Euro


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