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DAUN, 20.07.2021 - 15:27 Uhr
Kultur

Die Indianernessel - ein Restaurant für Schmetterlinge und Bienen

(dpa/tmn) - Kolibris werden wir hierzulande nicht an den wunderschönen Blüten der Indianernessel (Monarda) sehen. In deren Heimat, den Appalachen in den USA, sind sie Stammgäste an den mit Nektar gefüllten Blüten. Bei uns umschwirren dafür Schmetterlinge - oft auch gleich mehrere - die langen Röhren, und auch Bienen und Hummeln sind mit von der Partie.

„Absolute Insektenmagneten“, nennt Folko Kullmann, Vorstand der Gesellschaft der Staudenfreunde in Ettenheim (Baden-Württemberg), die Indianernessel. Wer sie hingegen nicht so toll findet: Schnecken, die andere Stauden durchaus gerne verspeisen. „Dafür sorgen die aromatischen Blätter“, sagt Prof. Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim.

Aber das ist nicht das einzig Schöne an diesen Sommerblumen: Ihre vielfältigen Blüten sind es, die oft an einen prächtigen Federschmuck erinnern.

Gut 50 Arten der Indianernessel im Handel

Die Blüten der Indianernessel machen sich gut in natürlich wirkenden, üppigen Staudenrabatten. Manche Arten gedeihen jedes Jahr aufs Neue, andere wie die Zitronen-Monarde (Monarda citriodora) halten sich nur ein oder zwei Jahre. Das muss aber kein Nachteil sein: „Allein wegen der üppigen Blüten lohnt es sich, diese Arten auszuprobieren“, sagt Kullmann.

Die Auswahl im Handel ist groß: Rund 50 Arten und Sorten der Indianernessel lassen sich laut dem Staudenexperten finden, einige davon allerdings nur in gut sortierten Spezialgärtnereien.

Die wohl bekannteste Art der Indianernesseln ist Monarda didyma, im Deutschen auch als Goldmelisse bezeichnet. „Von ihr stammen letztlich alle Gartensorten und Hybriden ab“, sagt Prof. Cassian Schmidt.

Auf sie geht auch das größte Problem mit den Indianernesseln im Garten zurück: Die Blätter sind bei warmem Wetter anfällig für den Pilz Echter Mehltau. „Besonders problematisch erweist sich für die meisten Indianernesseln ein trockenes Frühjahr.“

Schatten betont die Blütenfarbe

Hilfreich sei es, den Pflanzen jene Bedingungen zu bieten, die sie auch an ihrem natürlichen Standort hätten. Prof Schmidt rät daher, die meist rot blühenden Sorten an Plätzen im lichten Halbschatten ohne stärkeren Wurzeldruck durch benachbarte Gehölze zu pflanzen. Dabei ist ein Halbschatten mit Sonne am Morgen oder in den Abendstunden am besten, außerdem frisch-feuchter Boden mit humoser Struktur und guter Durchlässigkeit.

Ein Pflanztipp: Hier im Halbschatten lassen sich schöne Kombinationen mit den weißen Blütenständen der Silberkerzen (Cimicifuga) und dem zartrosa blühenden Schlangenkopf (Chelone obliqua) bilden. Doch auch das im Schatten intensiv wirkende Grün verstärke die Wirkung der scharlachroten Indianernesseln, so Schmidt.

Deutlich besser verträgt die Art Monarda fistulosa Trockenheit und ist damit weniger anfällig für den Echten Mehltau. Sie ist auch bekannt als Wilde Bergamotte. Allerdings findet sie sich nur selten im Handel, stattdessen wird auch sie zur Kreuzung der Hybriden verwendet.

Diese Staude eignet sich als Partner von Hohen Flammenblumen (Phlox paniculata), Rotem Sonnenhut (Echinacea purpurea), Herbstastern (Aster) und dem Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum).

Die Blüten der Zitronen-Monarde über Winter stehen lassen

In die ab Mai kahler werdenden Bepflanzungen mit Prachtscharten (Liatris spicata), Bartfaden (Penstemon) und Goldrute (Solidago) passt hingegen die einjährige Zitronen-Monarde (Monarda citridora) gut. Sie muss ab März unter Glas vorgezogen werden „Dabei muss man beachten, dass es Lichtkeimer sind“, erklärt Cassian Schmidt. Das heißt, man deckt die Samen nicht mit Erde ab.

Besonders ist der Blütenaufbau dieser Indianernessel. Er hat Etagen und die Blüten sind damit auch im vertrockneten Zustand im Winter noch ein wichtiger Strukturbildner im Beet.

Eine weitere besondere Gruppe Indianernesseln empfiehlt Prof. Cassian Schmidt: Und zwar die Bee-Serie, die wie ihr Name schon verrät, insbesondere Insekten anzieht.

„Diese Sorten wachsen mit etwa 60 Zentimetern nur halb so hoch wie klassische Sorten, haben klare Blütenfarben und dicke, behaarte Blätter“, beschreibt der Experte, der in seinem Park Stauden sichtet - die Gärtnerbezeichnung für Prüfung.

Diese Serie wirke etwas anders als die klassischen Züchtungen der Indianernessel, er halte sie aber für großartig. „Die in der Sichtung wohl beste Sorte heißt 'Bee Happy' mit roten Blüten“, so Schmidts Tipp.

Info-Kasten: Pflege der Indianernesseln im Sommer

Mehrjährige Indianernesseln brauchen im Sommer einen Rückschnitt. Zwar sind die Samenständen bei Vögeln sehr beliebt, aber wenn man die Vitalität der Stauden fördern will, ist es sinnvoll, die Pflanzen nach der Blüte komplett zurückzuschneiden.

„Anschließend wird gedüngt und gewässert“, empfiehlt Staudenexperte Prof. Cassian Schmidt. So können sich Grundtriebe bilden. Außerdem rät er, die Pflanzen alle drei bis vier Jahre zu teilen, denn auch das fördere deren Langlebigkeit und den Blütenreichtum.

Von Dorothée Waechter, dpa


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