Von Büsum aus fahren die Krabbenfischer auf die Nordsee. Von Büsum aus fahren die Krabbenfischer auf die Nordsee. - © Foto: picture alliance/dpa | Carsten Rehder -
DAUN, 29.10.2021 - 15:47 Uhr
Touristik

Büsum: Krabben, Kutter und ein Kapitän

(dpa/tmn) - Beim Krabbenpulen vertraut André Claußen seiner lang erprobten Technik: „Mit der rechten Hand das dritte Panzerglied öffnen, mit der linken Hand den Krabbenkopf festhalten und am Schwanzende langsam das Krabbenfleisch herausziehen.“

Claußen, 38, ist Krabbenfischer in Büsum und zeigt Urlaubern, wie das Krabbenpulen am besten klappt. „Fischersprechstunde“ nennt der Kutterkapitän seinen kleinen Kurs. Nicht allen Gästen will Claußens Technik sogleich gelingen. „Ab der zehnten Krabbe wirds besser“, tröstet der Seemann.

André Claußen ist einer der etwa 50 Krabbenfischer, die ihren Fang zumeist im Büsumer Hafen anlanden. Die Fanggebiete der Familienbetriebe liegen vor der schleswig-holsteinischen Wattenküste und in der Nordsee bei Helgoland. Zwischen zwölf und 72 Stunden bleiben die Fischer auf See.

Auch Kutter aus Tönning, Friedrichskoog und Cuxhaven steuern immer wieder Büsum an, Deutschlands wichtigsten Krabbenhafen. Dort sitzen die Großhändler, die das „Büsumer Gold“ verarbeiten und vermarkten.

Das Geschäft mit den Krabben

Krabben werden ganzjährig gefischt, in den kalten Monaten lässt der Ertrag allerdings nach. „Wir machen 2,5 Millionen Kilo Krabben pro Jahr“, verrät Rüdiger Kock, 58. Er ist einer der Großen in Büsum und gehört zum Netzwerk des ganz Großen: Heiploeg International B.V. im niederländischen Dorf Zoutkamp nahe Groningen. Das Unternehmen sieht sich als europäischer Marktführer für Nordseegarnelen.

„Wir sortieren die Krabben nach Größe und bringen sie nach Zoutkamp“, erklärt Kock. Von dort reisen die Garnelen per Kühllaster über 7000 Kilometer zum Pulen per Hand nach Tétouan in Marokko. Haltbar sind sie 21 Tage. Schließlich kommen sie in die Lebensmittelgeschäfte.

Büsum und Krabben, das gehört zusammen. Die Krabbenfischerei begann hier in großem Umfang Ende des 19. Jahrhunderts, erfährt man im Museum am Meer auf der alten Hafeninsel.

Damals liefen die ersten Kutter mit Schleppnetzen zur Fangfahrt aus. Zuvor hatten die Küstenbewohner den schmackhaften Schalentieren mit Netzen und Keschern im Watt nachgestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Schiffswerften, noch zwei Betriebe existieren heute.

Badespaß für die bessere Gesellschaft

Der Büsumer Badetourismus entwickelte sich ebenfalls in jenen Jahren. Bis 1902 stiegen Damen und Herren nach dem Geschlecht streng getrennt in die Nordseefluten. Gemeinsam planschten sie durchs Watt. Trompete, Saxofon und Akkordeonklänge sorgten dabei für Stimmung.

„Wattenlaufen mit Musik gibt es nur in Büsum, und das schon seit 122 Jahren“, sagt Gästelotse Raimund Donalies, 64. Der bärtige Büsumer kann viele Geschichten erzählen. Von Wilhelm Külper etwa, der das „Hotel Bellevue“ erbauen ließ und Gäste mit dem Kutter aufs Meer schipperte. „Lust-Fahrt“ wurde das damals genannt.

Mehr und mehr Hotels beherbergten mit der Zeit Badegäste: Ab 1889 die „Alte Post“, eines der ältesten Gasthäuser an der Westküste Schleswig-Holsteins. Aus der Fischerbörse in der Hafenstraße wurde das Hotel „Alter Muschelsaal“. Um die 100.000 Muscheln und Schnecken aus aller Welt bilden dort eine sehenswerte Wandverkleidung.

Ein deutsches Topziel an der Nordseeküste

So wie sich einst der Krabbenfang wandelte, so wechselte Büsum von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sein touristisches Erscheinungsbild. 2013 wurde mit der Perlebucht ein von Gezeiten unabhängiges Badeareal für Familien mit Kindern geschaffen. Surfer, Kiter, Katamaran-Fahrer und Stand-up-Paddler schätzen dort die Wellen und den Wind.

Büsum hat rund 4900 Einwohner und ist gemessen an den jährlich zwei Millionen Übernachtungen das drittwichtigste Touristenziel an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins - nach Sylt und Sankt Peter-Ording.

Schicke Hotelbauten entstehen in jüngster Zeit, alte Bausubstanz weicht komfortablen Ferienappartements. Aus dem betulichen Heilbad der 1970er Jahre, in dem nach 20.00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist ein Ganzjahresziel geworden. Der Trend wurde verstärkt durch die Pandemie, weil noch mehr Urlauber in Deutschland blieben. Erst Novemberflaute, dann Winterschlaf? Nicht in Büsum.

Wind im Gesicht, Wärmendes im Becher

Manche Gäste, davon sind die örtlichen Touristiker überzeugt, wollen sich im Winter mal so richtig vom Wind durchpusten lassen. Und danach ein heißes Getränk schlürfen: Eiergrog, Pharisäer (Kaffee mit Rum, Zucker und Sahne), Tote Tante (aus Kakao, Rum und Sahne) oder natürlich einen heißen Tee in einer Teestube.

Auch in der kalten Jahreszeit bleibt Büsums Hafen das Herzstück der kleinen Gemeinde. Noch lange kann man an den Kais vorbeischlendern und fangfrische Krabben von den Fischern zum Selbstpulen erstehen. Wichtig zu wissen: Hier wird der Mengenpreis in Litern berechnet, und ein Liter entspricht ungefähr 620 Gramm.

Unterhalb des Leuchtturms bewahren rührige Vereinsmitglieder im Museumshafen die maritime Geschichte. Wichtigstes Ausstellungsstück ist das Seenotrettungsboot „Rickmer Bock“, das einst in Büsum stationiert war. Auch die „Fahrewohl“ hat dort für immer festgemacht: Büsums ältester noch fahrfähiger Krabbenkutter, Baujahr 1912.

Info-Kasten: Büsum

Reisezeit: Mittlerweile ganzjährig. Hauptsaison ist allerdings von Mai bis September sowie über Weihnachten und Neujahr.

Anreise: Über die Autobahn A 23 Hamburg-Heide und die B203 nach Büsum. Alternative ist eine Fährverbindung über die Elbe wie Cuxhaven-Brunsbüttel oder Wischhafen-Glückstadt. Mit der Bahn im IC von Hamburg bis Heide, weiter mit Regionalbahn oder Bus.

Übernachtung: Es gibt Hotels, Pensionen, Ferienhäuser und -wohnungen sowie Privatzimmer, insgesamt über 16.000 Gästebetten, zudem Camping- und Wohnmobil-Stellplätze. Traditionsreich übernachtet man seit 1889 im Hotel „Zur Alten Post“, einem der ältesten Gasthöfe an der Küste.

Informationen: Tourismus Marketing Service, Südstrand 11, 25761 Büsum (Tel.: 04834/90 90, E-Mail: info@buesum.de, www.buesum.de).

Von Bernd F. Meier, dpa


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