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DAUN, 07.04.2020 - 10:48 Uhr
Touristik

Frankenwald: Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

(dpa/tmn) - Holger Schramm könnte als Förster durchgehen, wie er so dasteht im Kurpark von Bad Steben. Dichter Bart, die Haare zum Zopf gebunden, Wanderschuhe und Fleecejacke in Naturtönen. Doch er ist kein Förster, sondern „Naturcoach“. Einer, der die Vögel erkennt, die aus den Baumkronen zwitschern, der sich die Zeit nimmt, im Gras zu liegen und den Schönwetterwolken zuzuschauen - und der Bäume umarmt.

Das sogenannte Waldbaden heißt in seinem Ursprungsland Japan Shinrin-Yoku und ist dort als medizinische Anwendung anerkannt. In Oberfranken hält es so mancher Einheimische und Gast eher für eine Spinnerei. Andere lassen sich darauf ein.

Mit ruhiger, sanfter Stimme leitet Schramm die Städter an, sich den Bäumen zu nähern, sie anzufassen. Dass er so tiefenentspannt ist, hat ihn viel Arbeit gekostet. Der gelernte Mediengestalter litt irgendwann an Burnout - und stieg aus. Jetzt lebt er mit der Natur und zeigt gestressten Kurgästen und anderen Besuchern, wie man entspannt.

Ein Heilbad mit Geschichte

In Bad Steben ist dafür viel Raum, viel Landschaft. Der kleine Ort war mal Zonenrandgebiet, Thüringen ist nicht weit entfernt, ebenso wie die tschechische Grenze ein paar Kilometer östlich. In den goldenen Kur-Jahren war das Heilbad beliebt und gut besucht, vor allem Rheuma-Patienten und solche mit anderen Beschwerden des Bewegungsapparats kamen hierher. Auch heute noch herrscht reger Kurbetrieb, obwohl die Krankenkassen längst sparen und die Patienten ihre Behandlungen selbst zahlen. Denn in Bad Steben gibt es einen natürlichen Schatz: Radon.

„Die leichte Strahlung regt die Zellen an, stimuliert das Immunsystem und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers“, erklärt Gerhart Klein, der seit mehr als 30 Jahren zum Radon forscht und zahlreiche Studien dazu verfasst hat. Das Edelgas, leicht radioaktiv, findet sich nur an wenigen Stellen in Europa. „Die Patienten machen hier vor allem Bäderkuren“, sagt Klein.

Eine besonders glückliche Kombination

Doch nicht nur Radon kommt in dem nördlichsten bayerischen Staatsbad ganz natürlich vor, sondern auch Kohlensäure und Moor. Dies alles zusammen an einem Ort zu finden, sei in Westeuropa einzigartig, sagt Klein, ein promovierter Kardiologe.

Für Patienten ist die Kombination praktisch, denn sie kann zur Schmerzlinderung zahlreicher Beschwerden eingesetzt werden. „In Kombination mit der Kohlensäure ist das Radon noch wirksamer“, erläutert der Mediziner und beruhigt: Bedenklich sei die Strahlenbelastung durch das Edelgas nicht.

Dass das Wasser in Bad Steben besonders ist, weiß man dort schon seit dem Mittelalter. Damals sprach man die positiven Wirkungen eines Bades den „Brunnengeistern“ zu.

Als Kurort blickt Bad Steben auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. Das Kurzentrum mit seiner Säulenwandelhalle wurde von Hofbaumeister Leo von Klenze erbaut und ist weit über Oberfranken hinaus bekannt. Klenze hat nicht nur das Stadtbild von München mit seinen Werken geprägt, er gehörte auch zu den Mitgestaltern der Neuen Eremitage in St. Petersburg.

Bad Steben ist sportlich

Kurpark, Kurzentrum, Kurkonzerte: Vieles klingt nach Krankheit in Bad Steben, doch so ist es nicht. Man sieht viele fitte Menschen jeden Alters durch den Kurpark gehen, walken und rennen. Auch in der 8500 Quadratmeter großen Therme, einer noch recht neuen Ergänzung zum Kurareal, sind junge Leute und Familien mit Kindern unterwegs.

Besonders beliebt ist das Wandern, bei den Einheimischen ebenso wie bei den Besuchern aus der Region und Urlaubern von weiter her. Die Wege im Frankenwald sind gut ausgeschildert. Das müssen sie auch - denn der Wald schmückt sich mit dem Titel „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“, Bayerns erste überhaupt.

Es gibt 32 „Frankenwaldsteigla“, Wege von 5 bis 18 Kilometern Länge. Ambitionierte können sich auf den vielen Etappen des 242 Kilometer langen Frankenwaldsteigs vergnügen.

Wandern und in die Tiefe schauen

So ursprünglich wie fast alles in dieser Region ist Untereichenstein - und trotzdem besonders: Der Ort wird das „Drehkreuz des Wanderns“ genannt. Gleich fünf Fernwanderwege treffen sich hier in der Mitte der Republik. „Hier lief früher die innerdeutsche Grenze“, sagt Naturfreund Schramm.

Auch das Höllental ist so ein Ort am Grünen Band. Dort soll die längste Hängebrücke der Welt entstehen, mehr als einen Kilometer lang. Kein unumstrittenes Projekt in der Region, aber eines, das viele Touristen anziehen soll.

Humboldt kümmerte sich um den Bergbau

Solch rekordverdächtige Attraktionen gab es noch nicht, als sich einst ein Berliner Adeliger in Oberfranken niederließ. Wobei, wirklich niedergelassen hat sich der Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769-1859) nicht, er war eine eher rastlose Persönlichkeit. Immerhin erkundete er unter anderem den amerikanischen Kontinent.

Doch bevor sich Humboldt aufmachte in die Welt, war er Oberbergmeister im Fürstentum Bayreuth, das zu Preußen gehörte. Sein Auftrag war, den Bergbau im Frankenwald und im Fichtelgebirge auf Vordermann zu bringen. Abgebaut wurden Gold, Silber, Nickel, Zinn und Eisen - und in Lotharheil der Schiefer.

Besuch im Bergwerk, Schiefer überall

Urlauber können heute noch einige der Wirkungsstätten Humboldts besuchen. So ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen in Lichtenberg heute ein Besucherbergwerk. Vor 200 Jahren war er das modernste Bergwerk der Region und diente zur Entwässerung anderer Stollen in der Nähe. Außerdem wurden Eisen und Kupfererz abgebaut.

In Lotharheil wird bis heute Schiefer abgebaut, der teils hunderte Millionen Jahre alt ist. Inzwischen ist der Granitschiefer ein edles Material, das häufig per Hand bearbeitet werden muss. Architekten brauchen es für Projekte in Häusern und im Landschaftsbau.

Wer durch die kleinen Orte des Frankenwaldes spaziert und fährt, sieht zudem Schieferkacheln an den Häusern und auf den Dächern - das Material war schließlich immer da. Genauso wie das Radon, die Kohlensäure und das Moor. Und die unberührte Natur, an der sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel geändert hat.

Wer der großen Stadt oder der Hektik des Alltags entfliehen will, kann das in Bad Steben ohne große Anstrengung tun. Und ab und zu einen Baum umarmen.

Informationen: Bayerisches Staatsbad Bad Steben, Badstraße 31, 95138 Bad Steben, 09288/74 70, E-Mail: info@bad-steben.de, www.bad-steben.de).

Von Verena Wolff, dpa


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