Der Blick in die Glaskugel hilft Anlegern eher nicht. Über Aktien gibt es aber viele handfeste Informationen. Der Blick in die Glaskugel hilft Anlegern eher nicht. Über Aktien gibt es aber viele handfeste Informationen. - © Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst -
DAUN, 25.09.2020 - 11:37 Uhr
Wirtschaft

Informierte Anleger: Wo gute Infos über Aktien zu finden sind

(dpa/tmn) - Aussichten auf Kursgewinne, regelmäßige Dividenden - es spricht viel dafür, Geld in Aktien von Unternehmen zu investieren. Doch Aktien gibt es unzählige. Sich gründlich zu informieren, ist daher das A & O.

Unerfahrene Anleger stehen indes nicht selten vor der Frage, wo und wie sie sich überhaupt seriös Hintergrundwissen zu Aktien zulegen können. Aber keine Sorge: „Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sitz in Düsseldorf.

„Eine Tageszeitung mit einem fundierten Wirtschaftsteil ist schon mal ein guter Anfang“, erklärt Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt/Main. Dort finden sich neben Artikeln über einzelne Unternehmen auch Berichte über die Konjunkturlage oder die Chancen bestimmter Branchen. Daneben gibt es noch spezielle Wirtschaftszeitungen und -magazine, die weiter in die Tiefe gehen.

Unternehmen pflegen Beziehungen zu Aktionären

Eine andere Option, bevor Anleger in Aktien investieren: „Sich die Geschäftsberichte eines Unternehmens anschauen“, rät Kurz. Solche Berichte, die in aller Regel im Internet abrufbar sind, geben Hinweise auf die Lage eines Unternehmens.

Wichtig: Immer die Kennzahlen mehrerer Unternehmen derselben Branche miteinander vergleichen, um Rückschlüsse ziehen zu können.

Die Berichte finden Aktionäre meist direkt auf den Webseiten der Unternehmen. Im Bereich „Investor Relations“ werden nicht nur wichtige Dokumente bereitgestellt, oft sind dort auch ein Finanzkalender und eine Sammlung der letzten Unternehmensmeldungen und Ad-hoc-Berichte zu finden.

Ad-hoc-Meldungen sind Berichte über kursrelevante Ereignisse, wie zum Beispiel die Bekanntgabe von Geschäftszahlen, Informationen über den Kauf oder Verkauf von Unternehmensanteilen oder die Ankündigung von Kapitalmaßnahmen.

Aktiengesellschaften sind verpflichtet, solche Meldungen unverzüglich zu veröffentlichen, damit alle Anleger die Möglichkeit haben, auf neue Entwicklungen zu reagieren. Ad-hoc-Mitteilungen vieler Unternehmen finden sich zum Beispiel auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität.

Analysten geben Einschätzungen ab

Auch auf Empfehlungen von Analysten großer Banken können diejenigen setzen, die sich für Einzelaktien interessieren. Veröffentlicht werden die Berichte in der Regel auch im Internet. Aber auch Ratingagenturen wie Morningstar bieten Privatanlegern Informationen über einzelne Titel oder über Fonds.

Ansprechpartner können auch selbstständige Honorarberater oder eine der Verbraucherzentralen in Deutschland sein. „In beiden Fällen zahlt der Kunde die Beratung“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Provisionen von Produktanbietern fließen bei diesen beiden Beratungsmöglichkeiten nicht, die Beratung erfolgt also unabhängig.

Direktbanken bieten oft erste Informationen

Eine Anlaufstelle für Recherchen sind auch Banken. Vor allem bei Direktbanken gibt es für Depotinhaber neben Übersichten auch Charttools und Firmenporträts. Allerdings bieten diesen Service auch die meisten Filialbanken, wenn Kunden dort ihr Depot online führen.

Wer sich genauer über einzelne Werte informieren will, kann auch gezielt an den einzelnen Börsenplätzen suchen. Die Börse Frankfurt, die Börse Stuttgart oder die Börse Berlin zum Beispiel bieten Anlegern umfassende Informationen.

Auch auf zahlreichen Blogs können sich Anleger inzwischen über Aktien informieren. „Hier muss man sich allerdings fragen, ob persönliche Meinungen wiedergegeben werden oder ob es eine redaktionelle Prüfung auf Unabhängigkeit gegeben hat“, erklärt Leven. Vorsichtig sollten Anleger mit Börsenbriefen umgehen. Solche oft kostenpflichtigen Angebote sollten Anleger kritisch hinterfragen. 

Geschäftsmodell muss verständlich sein

Wichtiges Kriterium beim Kauf von Einzelaktien: „Man muss das Geschäftsmodell eines Unternehmens verstehen“, sagt Kurz. Wenn Anleger nicht nachvollziehen können, auf welche Weise ein Unternehmen Gewinn erzielt, sollte dort besser nicht investiert werden.

„Auch aggressive Verkaufstaktiken außerhalb des seriösen Bankensektors sollten den Anleger misstrauisch stimmen“, sagt Leven. Im Zweifel sollten sich Anleger lieber den Geschäftsbericht eines Unternehmens vornehmen.

Ideal ist aus Sicht von Leven, in mindestens acht bis zehn einzelne Unternehmen zu investieren. Ähnlich sieht es Kurz: „Diese Unternehmen sollten möglichst unterschiedlichen Branchen angehören.“ Das streut das Risiko.

Fondsübersicht wird regelmäßig aktualisiert

Wer nicht in einzelne Unternehmen investieren will, ist mit Fonds oder ETFs gut beraten. Bei Fonds entscheidet der Fondsmanager über Verkauf, Kauf oder Verbleib von Aktien oder Anleihen im Fonds. Das nennt man aktives Management.

Im Gegensatz dazu gibt es ein passives Management bei den ETFs, die einen Index - etwa Dax oder MSCI World - abbilden. „In der Rückschau haben ETFs gut abgeschnitten“, sagt Becker-Eiselen.

Und das beste Investment, das Anleger machen können? „In die eigene Finanzbildung investieren“, sagt Leven. So werden einem ökonomische Zusammenhänge mit der Zeit plausibler.

Viele Hinweise liefern hier Publikationen der Stiftung Warentest, sagt Becker-Eiselen. Die Experten aktualisieren ihre Liste mit börsengehandelten Indexfonds, sogenannten ETFs, sowie gemanagten Fonds regelmäßig und geben hilfreiche Tipps.

Von Sabine Meuter, dpa


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