- © Foto: AdobeStock -
DAUN, 28.05.2021 - 15:34 Uhr
Wirtschaft

WeltSparen Studie: Finanzratschläge an das jüngere Ich

Welche Entscheidungen würden Menschen rückblickend anders treffen? Mit dem Alter wächst die Erfahrung, das trifft auch in Bezug auf die eigenen Finanzen zu. Oft zeigt sich erst später, welche Entscheidungen, Geldanlagen oder Ausgaben lukrativ waren und, welche man lieber vermieden hätte. Welche konkreten Ratschläge in Bezug auf Geld und Finanzen würden Menschen ihrem jüngeren Ich geben? In einer repräsentativen Umfrage hat WeltSparen, die Plattform für Geldanlage, 2.043 Deutsche dazu befragt.

1. Auf finanzielle Unabhängigkeit setzen

Der am häufigsten genannte Finanztipp betrifft die finanzielle Eigenständigkeit. Beim Geld auf eigenen Beinen zu stehen, ist für viele Deutsche wichtig. Fast die Hälfte aller Befragten (46 Prozent) rät ihrem jüngeren Ich, sich nicht von anderen finanziell abhängig zu machen. Je älter die Befragten, desto stärker plädieren sie für finanzielle Unabhängigkeit. In den Altersgruppen ab 45 Jahren äußern 55 Prozent diesen Tipp, während es bei den Personen zwischen 18 und 44 Jahren nur 32 Prozent sind. Wenig überraschend, schließlich blicken die Älteren auf mehr Lebenserfahrung und damit zum Teil auch auf Situationen mit Lohneinbußen, Gehaltslücken oder kostenintensive Trennungen zurück.

Tipp: Es empfiehlt sich Rücklagen von mindestens drei Netto-Monatsgehältern zu bilden, um kurzfristige Notfälle wie Krankheit oder Jobverlust zu überbrücken. Frauen sind stärker gefährdet, in eine finanzielle Abhängigkeit zu geraten durch einen deutlich größeren Anteil an Teilzeitarbeit durch Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Je früher Frauen sich dieses Themas bewusst sind und sie Regelungen treffen, desto besser sind sie auf den Ernstfall vorbereitet.

2. Eigene Finanzentscheidungen treffen

Die knappe Hälfte aller Befragten (46 Prozent) empfiehlt, in Bezug auf Geldangelegenheiten eigene und kluge Entscheidungen zu treffen. Das schließt Finanzwissen und -bildung ein, denn wer ahnungslos und unsicher ist, lässt sich beeinflussen oder sogar Ungewolltes aufschwatzen. Zwischen den Altersgruppen zeigen sich große Unterschiede. Mit 53 Prozent fällt die Zustimmung bei den ab 45-Jährigen deutlich höher aus, die Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen gibt sich mit 36 Prozent etwas unbedarfter.

Tipp: Langfristige Verträge mit intransparenten Gebühren sind schnell abgeschlossen und entpuppen sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick als ungeeignet. Über das Internet sind Informationen so einfach zugänglich wie noch nie: Zahlreiche Medien, Verbraucherportale und unabhängige Finanzblogs helfen dabei, sich finanziell weiterzubilden, eigene Standpunkte zu entwickeln und fundiert selbst zu entscheiden.

3. Sparen: je früher, desto besser

Vier von zehn Bundesbürgern (40 Prozent) raten ihrem jüngeren Ich, früh mit dem Sparen zu beginnen. Das Aufschieben von Geldanlage-Entscheidungen rächt sich, denn wer später anfängt, verliert wertvolle Zeit und Zinseszinseffekte beim Vermögensaufbau, auch als Grundstein für die Altersvorsorge. In beiden Altersgruppen ist dieser Finanztipp weit verbreitet: 42 Prozent der ab 45-Jährigen und 36 Prozent der 18- bis 44-Jährigen stimmen zu.

Tipp: Es gibt nie einen perfekten Zeitpunkt, um mit dem Sparen anzufangen. Daher besser von klein auf oder sobald die eigene berufliche Situation erste Rücklagen erlaubt, regelmäßig sparen und anlegen. Für Disziplin und Routine sorgen monatliche Sparpläne. Auch kleine Beträge summieren sich so über die Jahre zum kleinen Vermögen. Werden Zinsen reinvestiert, wirft der Zinseszinseffekt langfristig höhere Erträge ab.

4. Schulden vermeiden

39 Prozent der Bundesbürger raten ihrem jüngeren Ich, sich nicht zu verschulden. Zwar lassen sich Schulden zum Beispiel beim Immobilienkauf nicht immer vermeiden. In Form von Dispo- oder Konsumkrediten erschweren sie den Vermögensaufbau. Dass es sich bei der Verschuldung oft nicht um Kleinbeträge handelt, zeigt ein Blick auf die Schuldenquote: 2019 hatte jeder Deutsche laut Statischem Bundesamt 28.244 Euro Schulden. Bei den ab 45-Jährigen hat sich der Ratschlag, Schulden zu vermeiden, mit 45 Prozent Zustimmung stärker verfestigt als bei den 18 bis 44-Jährigen, hier rät nicht einmal jeder Dritte (30 Prozent) zu diesem Tipp.

Tipp: Um Schulden im Kleinen zu vermeiden, die sich schnell anhäufen können, hilft es, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Einfach, aber hilfreich: Über Kaufentscheidungen eine Nacht zu schlafen, kann positive Folgen für den Geldbeutel haben.

5. Beim Geld hört die Liebe auf

In Geldfragen macht Liebe die Deutschen offenbar nicht blind. So raten 39 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ihrem Jüngeren ich, nie blind vor Liebe zu sein.

Mit 48 Prozent sind es unter den Älteren ab 45 Jahren deutlich mehr, in der jüngeren Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen pflichtet diesem Hinweis nur ein Viertel (25 Prozent) bei.

Tipp: Eine Alternative zum gemeinsamen Konto nach dem Zusammenziehen kann das Drei-Konto-Modell sein. Dabei behält jeder ein eigenes Gehaltskonto und zusätzlich führt das Paar ein gemeinsames Konto für alle Ausgaben rund um Haushalt, Anschaffungen und gemeinsame finanzielle Ziele.

6. Kleine Beträge machen sich bezahlt

Auch Kleinvieh macht Mist. Dieses alte Sprichwort gilt ganz besonders, wenn es um das Ersparte geht. Immerhin 39 Prozent der Befragten sagen, dass bereits kleine Beträge den Grundstein für eine solide Anlage bilden können, die langfristig Rendite abwirft. Bei den ab 45-Jährigen, die schon mehr Kapital anhäufen konnten, stimmen sogar 44 Prozent zu – gegenüber 30 Prozent bei den 18- bis 44-Jährigen.

Tipp: Micro-Investing ist ein unterschätzter Trend, mit dem Verbraucherinnen und Verbraucher auf Dauer eine ordentliche Summe anhäufen können. Selbst Kleinstbeträge von beispielsweise 25 Euro monatlich können im ETF-Sparplan angelegt werden.

7. Mit versteckten Fixkosten aufräumen

Ein Drittel der Deutschen rät ihrem jüngeren Ich, unnötige Ausgaben zu vermeiden. Im Alltag entpuppen sich wiederkehrende Beträge aus Abonnements oft als Kostentreiber, zum Beispiel die ungenutzte Fitnessstudio-Mitgliedschaft, der zu teure Stromanbieter oder mehrere Accounts für Streaming-Dienste. 38 Prozent der ab 45-Jährigen und 25 Prozent der 18- bis 44-Jährigen sehen in den Fixkosten große Einsparpotenziale, die sie jüngeren Generationen ans Herz legen.

Tipp: Abos und Verträge regelmäßig zu prüfen, zahlt sich aus. Über Vergleichsportale sind günstigere Alternativen transparent und einfach auffindbar. Insbesondere bei länger bestehenden oder auslaufenden Verträgen kann sich eine Kündigung lohnen. Anbieter möchten in der Regel ihre Bestandskunden halten und bieten ungeahnte Rabatte an.

8. Auf Preisnachlässe und Rabatte achten

Finanztipp Nummer acht richtet sich an Schnäppchenjäger und alle, die es werden wollen. Nahezu jeder dritte Befragte (32 Prozent) ist der Meinung, dass sich Rabatte und Preisnachlässe auszahlen können und gibt diesen Tipp Jüngeren mit auf den Weg. Die Älteren ab 45 Jahren sind mit 37 Prozent Zustimmung deutlich Schnäppchen-versierter als die Befragten bis 44 Jahre, unter denen diesen Tipp nur ein Viertel (25 Prozent) empfiehlt.

Tipp: Preise zu vergleichen, macht sich bezahlt – zum Beispiel über Rabatt-Apps oder Vergleichsportale. Auch Treueprogramme sind häufig mit Rabattsystemen verbunden und können sich auszahlen.

9. Qualität geht vor Quantität

Billiger ist nicht immer besser, Qualitätsbewusstsein setzt sich bei den Deutschen durch: Bei Ausgaben vermehrt auf Qualität statt auf Quantität zu achten, empfiehlt fast jede und jeder Dritte (32 Prozent) seinem jüngeren Ich, genauso viele sind es in der Altersgruppe ab 45 Jahren. Unter den 18- bis 44-Jährigen raten nur 27 Prozent dazu, auf Klasse statt Masse zu setzen.

Tipp: Viele Hersteller und Anbieter – gerade im Technik- und Modebereich – bringen regelmäßig neue Produkte auf den Markt, so dass ein Kaufdruck entsteht. Dabei ist es ratsam sich gegen “Fast Fashion” zu stemmen und Gegenstände nachhaltig so lange zu gebrauchen, bis sie verschlissen sind. Für die Qualität von Produkten sind Bewertungen im Internet ein guter Indikator und können vor dem einen oder anderen Fehlgriff schützen.

10. Klare finanziellen Ziele setzen und verfolgen

“Definiere Deine finanziellen Ziele und verliere sie nicht aus den Augen”, diesen Tipp gibt immerhin ein gutes Viertel (26 Prozent) der Deutschen seinem Jüngeren Ich. Klare Vorstellungen von den eigenen finanziellen Zielen zu entwickeln, ist für 21 Prozent der Befragten bis 44 Jahre und für 29 Prozent der Befragten ab 45 Jahren wichtig.

Tipp: Ob Weltreise, Sportwagen oder Traumhaus – sich Ziele zu setzen und daraufhin zu sparen, ist schon der halbe Weg. In Zeiten von Niedrig- oder Negativzinsen sind neben sicheren Anlageformen wie Tages- und Festgeld für langfristige Anlagen auch breit diversifizierte Kapitalmarktinvestitionen gefragt, zum Beispiel in ETFs, die gute Renditechancen bieten. Dabei gilt: Nie nur auf eine Karte setzen, sondern das eigene Vermögen nach persönlichen Bedürfnissen geschickt auf unterschiedliche Anlageklassen verteilen.

Karriereorientiert: Jüngere Deutsche raten zu Tipps mit Job-Bezug

Die jüngeren Deutschen zwischen 18 und 44 Jahren verweisen außerdem verstärkt auf Tipps für das berufliche Vorankommen. WeltSparen-Finanzexpertin Dr. Verena Thaler fasst diese Ergebnisse zusammen: “Unsere Studie zeigt, dass in den jüngeren Altersgruppen Karriere und Finanzen eng miteinander verbunden sind. So appellieren 22 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 44 Jahren dazu, aktiv an der Karriere und dem Netzwerk zu arbeiten – nur 17,5 Prozent der Älteren geben diesen Tipp. Jeweils ein Viertel der jüngeren Personen rät zu Investitionen in den eigenen Werdegang und dazu, sich stärker mit eigenen Finanzen und Verträgen zu beschäftigen. Offenbar begreifen die jüngeren Befragten ihr Gehalt als eigene “Assetklasse”, die den Weg zu Vermögensbildung und Vorsorge ebnet.”

Dr. Verena Thaler empfiehlt daher: “Bereits nach dem Jobstart können Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger durch kleine, regelmäßige Sparbeiträge zunächst einen Notgroschen ansparen und danach langfristig Vermögen aufbauen, zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan. Auf dem weiteren Karriereweg können gezielte Gehaltsverhandlungen sowie Transparenz zu erzielbaren Gehältern helfen – beispielsweise über Vergleichsportale oder den Austausch mit Freunden und innerhalb der Branche. Zudem rate ich persönlich zu Proaktivität und etwas Mut, um die nächste Beförderung selbstbewusst anzustreben oder die Projektleitung zu übernehmen denn diese Schritte helfen dabei, die eigene Karriere voranzubringen, den eigenen Verdienst zu erhöhen und individuelle Sparziele zu verwirklichen.”

Zur Studie:

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von WeltSparen, der Raisin GmbH, an der 2.043 Personen zwischen dem 01.02.2021 bis 03.02.2021 teilnahmen. Um die Angaben verschiedener Altersgruppen zu vergleichen, wurden Befragte zwischen 18 und 44 Jahren (N=747) und Befragte ab 45 Jahren (N=1.250) in zwei Gruppen zusammengefasst. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

 


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://vivanty.de/wirtschaft/weltsparen-studie-finanzratschl-ge-das-j-ngere-ich

Aktuelle Ausgabe
Juli 2021 / No 86

array(11) { [0]=> string(6) "132242" [1]=> string(6) "132319" [2]=> string(6) "132354" [3]=> string(6) "132344" [4]=> string(6) "132311" [5]=> string(6) "132297" [6]=> string(6) "132320" [7]=> string(6) "132322" [8]=> string(6) "132287" [9]=> string(6) "132279" [10]=> string(6) "132277" }
Meist gelesen
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.